Seit dem 20. Juli 2026 ist das zentrale Register für den Digitalen Produktpass (DPP) in Betrieb. Wenige Tage zuvor hat die EU-Kommission die ersten sechs harmonisierten DPP-Normen im Amtsblatt gelistet. Der Rahmen steht. In Projekten rückt damit eine sehr praktische Frage nach vorn: Welcher Datenträger verbindet das physische Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus zuverlässig mit seinem digitalen Pass?
Der Datenträger ist die Brücke zwischen Produkt und Pass
Die Ökodesign-Verordnung (ESPR, EU 2024/1781) verknüpft jeden Produktpass über einen Datenträger mit einer eindeutigen Produktkennung. Die Anforderungen an diese Datenträger beschreibt EN 18220. Sie gelten für 2D-Codes wie QR und Data Matrix ebenso wie für RFID in HF, NFC und UHF | RAIN. Die Kennung selbst regelt EN 18219, etwa als GS1-Digital-Link-URI.
Der QR-Code ist der naheliegende Einstieg: günstig, druckbar, mit jedem Smartphone lesbar. In der Praxis stößt er an zwei Grenzen. Jede Erfassung ist ein einzelner Scan mit Sichtkontakt. Und ein Code lässt sich beliebig kopieren: Auch eine Kopie auf einer Fälschung führt zum echten Pass.
Ein Pass, sehr unterschiedliche Leser
Ein Produktpass wird über Jahre gelesen, und zwar von Akteuren mit gegensätzlichen Anforderungen. In Produktion, Lager, Distribution und Filiale zählt der Durchsatz. Kartons, Gitterboxen und Regale sollen ohne Sichtkontakt im Pulk erfasst werden – die Domäne von UHF | RAIN RFID Labels nach ISO/IEC 18000-63. Konsumenten, Servicetechniker, Werkstätten und Recycler brauchen dagegen den gezielten Einzelzugriff per Smartphone – die Domäne von NFC-Tags und -Labels.
Eine einzelne Technologie bedient beide Welten nur mit Kompromissen. Zwei separate Tags verdoppeln Material, Applikation und Datenpflege. Zudem erzeugen sie zwei Identitäten, die dauerhaft synchron bleiben müssen.
CT Dual Label: eine Identität über beide Schnittstellen
Das CT Dual Label von CRAFT Technologies bringt beide Welten auf einen Chip. Herzstück ist der EM4425 (em|echo-V) von EM Microelectronic. Er vereint UHF nach EPC Gen2v2 / ISO/IEC 18000-63 und HF nach ISO/IEC 15693 bzw. NFC Forum Type 5 auf einem Die. Beide Schnittstellen greifen auf einen gemeinsamen, konfigurierbaren 2.048-Bit-Speicher zu. Dieselbe Chip-Seriennummer steckt in der 64-Bit-UID der HF-Seite und in der 96-Bit-TID der UHF-Seite.
Für den DPP heißt das: Der EPC (bis 480 Bit, etwa als SGTIN) und der Link im NDEF-Record tragen dieselbe Produktidentität. Das Lager liest im Pulk, der Konsument tippt mit dem Smartphone, und beide landen beim selben Datensatz. Eine App braucht es dafür nicht, denn gängige NFC-fähige Smartphones öffnen den NDEF-Link direkt.
Echtheit des Datenträgers: die Lücke, die die Normen offen lassen
Die DPP-Normen sichern in erster Linie die Daten. Authentizität und Integrität der Passdaten regelt die ergänzende EN 18246. Kryptografische Sicherheitsmerkmale des Datenträgers selbst liegen dagegen ausdrücklich außerhalb des Anwendungsbereichs von EN 18220 und EN 18246.
Hier setzt der EM4425 an. Seine AES-128-Hardware erzeugt dynamische NDEF-Nachrichten, die ein Backend bei jedem Tap verifizieren kann – ohne App, direkt im Browser. Auf der UHF-Seite steht die AES-basierte Crypto-Suite nach ISO/IEC 29167-10 zur Verfügung. So lässt sich prüfen, ob ein Pass zu einem echten Datenträger auf einem echten Produkt gehört. Für Markenschutz, Produktverifikation und Retourenprüfung ist das ein Mehrwert über die Mindestanforderungen hinaus.
Wo das Dual Label im DPP-Kontext seine Stärken ausspielt
- Textil und Bekleidung: Pulkerfassung in Distribution und Filiale, NFC-Zugriff auf Material-, Pflege- und Reparaturinformationen. Textilien zählen zu den ersten Produktgruppen im ESPR-Arbeitsplan.
- Konsumgüter und Elektronik: Registrierung, Garantie und Reparaturhistorie per Tap, Bestandsführung per UHF.
- Retouren und Kreislaufwirtschaft: automatisierte Identifikation in Rückwärtslogistik und Sortierung, Materialdaten für die nächste Lebensphase.
- Markenschutz: Echtheitsprüfung am Point of Sale oder im Wiederverkauf.
Technische Eckdaten
- Chip: EM Microelectronic EM4425 (em|echo-V)
- Frequenzen: 13,56 MHz (HF | NFC) und 860–960 MHz (UHF | RAIN)
- Standards: ISO/IEC 18000-63, EPC Gen2v2, ISO/IEC 15693, NFC Forum Type 5, ISO/IEC 29167-10
- Speicher: 2.048 Bit konfigurierbar (EPC bis 480 Bit, User Memory HF/UHF)
- Sicherheit: AES-128-Authentifizierung (NFC-Web-Authentifizierung, UHF-Crypto-Suite)
- Abmessungen: Label 45 × 25 mm, Antenne 40 × 20 mm
- UHF-Lesereichweite: bis zu 10 m, abhängig von Reader, Umgebung und Untergrund
- Betriebstemperatur: −20 °C bis +50 °C
- Ausführung: Dry Inlay oder selbstklebendes Label, weiß
- Optionen: Vordruck, Codierung, kundenspezifische Formate
- Konformität: CE, REACH, RoHS
Einordnung
Verbindlich wird der Digitale Produktpass produktgruppenweise. Für Batterien gilt er ab dem 18. Februar 2027, für Textilien und weitere Gruppen folgen delegierte Rechtsakte in den kommenden Jahren. Wer heute den Datenträger festlegt, entscheidet mit darüber, wie effizient Prozesse später laufen und wie belastbar die Verbindung zwischen Produkt und Pass ist. Ein Dual-Frequency-Label ersetzt keine Datenstrategie. Aber es macht den Pass dort lesbar, wo er gebraucht wird: im Pulk und in der Hand.
IDCRAFT begleitet DPP-Projekte von der Chip- und Labelauswahl über Speicherlayout, Schlüsselverwaltung und Druck und Codierung bis zur Reader-Integration und Pilotierung.
Sie planen einen DPP-Piloten? Sprechen Sie uns an: sales@idcraft.com · +49 6236 4494 685
FAQ
Ist RFID als Datenträger für den Digitalen Produktpass zulässig?
Ja. Die harmonisierte Norm EN 18220 behandelt neben QR- und Data-Matrix-Codes auch RFID in HF, NFC und UHF. Welche Datenträger für eine Produktgruppe konkret vorgesehen sind, legen die delegierten Rechtsakte fest. Für Batterien schreibt die Batterieverordnung einen QR-Code vor; RFID kann ihn dort ergänzen, aber nicht ersetzen.
Können Smartphones das CT Dual Label lesen?
Ja. Die HF-Schnittstelle arbeitet nach ISO/IEC 15693 und NFC Forum Type 5. NFC-fähige Smartphones lesen den NDEF-Link ohne zusätzliche App, und auch die AES-basierte Web-Authentifizierung läuft im Browser.
Braucht es für NFC und UHF zwei Tags?
Nein. Ein CT Dual Label deckt beide Frequenzbänder ab. Beide Schnittstellen teilen sich Speicher und Chip-Seriennummer, sodass eine einzige Produktidentität per UHF-Reader und per Smartphone erreichbar ist.
Quellen: Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736; EN 18220:2026; Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 (DPP-Register); Verordnung (EU) 2024/1781 (ESPR); EM Microelectronic, Produktinformationen em|echo-V (Stand September 2026).











