Ein RFID Gate macht aus einem Durchgang einen Buchungspunkt: Was die Lesezone passiert, wird erfasst, mit einer Erwartung abgeglichen und verbucht, ohne dass jemand scannt. Dafür muss die Lesezone zum Verkehr passen, die Richtung erkannt werden, Tags im Umfeld dürfen nicht mitgelesen werden, und die Software muss aus hunderten Einzellesungen ein Ereignis machen. Die Bauformen der Lesegeräte insgesamt stehen im Leitfaden zu RFID Reader und Lesegeräte, die stationären Geräte für Gates unter UHF RFID Reader.
Bauformen: Portal, Durchgang, Dock-Tor, Tunnel und Deckenreader
Tor- und Portalgate am Wareneingang
Die klassische Bauform für Paletten und Gitterboxen auf dem Stapler: Zwei Rahmen oder Säulen links und rechts der Fahrspur tragen je ein bis zwei Antennen, bei hohen Ladungen kommt eine Antenne über der Spur dazu. Bei 3 bis 4 m Spurbreite reichen vier Antennen an einem Reader mit vier bis acht Ports. Die Antennen sind zirkular polarisiert, weil die Lage der Tags auf der Palette nicht bekannt ist. Der Rahmen braucht einen Rammschutz.
Durchgangsgate für Personen, Wäsche und Werkzeug
Für Wäschesäcke, Werkzeugkisten, Medien oder Behälter, die von Hand durch eine Tür getragen werden, sitzen die Antennen in Paneelen oder Säulen beidseitig des Durchgangs, ähnlich einer Warensicherung im Handel. Die Lesezone ist klein, 1 bis 1,5 m, und lässt sich mit geringer Sendeleistung sauber begrenzen. Eine Lichtschranke startet die Lesung und liefert die Richtung, eine LED-Leiste oder ein Summer quittiert die Buchung. Wer die Person dazu erfassen will, kombiniert das Gate mit einem Ausweisleser.
Dock-Tor mit Overhead-Reader
An Verladetoren stören Rahmen in der Fahrspur. Overhead-Reader wie der Zebra ATR7000 hängen über dem Tor und richten ihre Lesekeulen elektronisch aus (Beam Steering mit phasengesteuerter Antenne). Aus der Bewegung der Tags durch die Keulen ergibt sich die Richtung ohne Lichtschranke; ein Gerät deckt je nach Torabstand zwei Tore ab.
Tunnelgate am Förderband
Wo einzelne Kartons oder Artikel gezählt werden, sitzt das Gate als geschirmte Kammer über dem Förderband. Antennen an mehreren Seiten lesen den Karton aus allen Richtungen, Absorber und Metallwände begrenzen die Zone auf den Tunnel. So lassen sich Kartons mit 50 bis 200 Etiketten vollständig lesen, während die Ware auf dem Band bleibt: die Bauform mit der besten Erfassungsrate auf Artikelebene, für Handel, Pharma und Versandhandel.
Deckenreader mit integrierten Antennen
Der CT GateSense ist ein Gate in einem Gehäuse: Reader und Antennen sitzen in einem Deckengerät mit bis zu 33 dBm Sendeleistung und bis zu 6 m Lesereichweite, dazu eine RGB-LED-Lichtleiste und ein EAS-Alarm für die Rückmeldung am Durchgang. Ein optionales Millimeterwellenradar erkennt Personen und ihre Richtung. Angebunden wird über TCP/IP, PoE, WLAN oder RS232. Die Bauform passt zu Türen, an denen kein Rahmen stehen soll: Wäscherei, Smart Cabinet, Werkzeugausgabe, Entsorgungslogistik.
Komponenten eines RFID Gates
- Reader: Zahl der Antennenports (typisch 4, bei großen Portalen 8), Sendeleistung bis 30 bis 33 dBm, Empfindlichkeit, Schnittstellen (Ethernet mit PoE, RS-232/485, GPIO für Lichtschranke und Ampel), Protokolle (LLRP, MQTT, REST). Beispiele: Impinj R700 / R720, Zebra FX9600, Chainway UR4 und Chainway UR8; für Außenanlagen Zebra FXR90 und CAEN Proton mit IP67 und IP65.
- Antennen: zwei bis vier je Spur. Zirkular polarisierte Antennen lesen Tags in jeder Lage und kosten dafür rund 3 dB gegenüber einer passend ausgerichteten linearen Antenne. Der Öffnungswinkel formt die Lesezone: breit für Portale, schmal für Durchgänge und Tunnel.
- Kabel: Jeder Meter Antennenkabel kostet Leistung, bei dünnen Kabeln rund 0,25 dB je Meter bei 900 MHz. Reader nahe an die Antennen, Kabel kurz, 50-Ohm-Steckverbinder.
- Sensorik: Lichtschranken vor und hinter der Zone, Radar oder Bewegungsmelder als Auslöser und für die Richtung. Sie sparen Sendezeit und verhindern, dass das Gate dauerhaft in die Halle liest.
- Signalisierung: LED-Leiste, Ampel, Summer oder Display, damit Fahrer und Mitarbeiter sehen, ob die Buchung durch ist.
- Mechanik: Rahmen, Säulen oder Deckenhalter, Rammschutz, Schutzart IP65 oder IP67 im Außenbereich und an Waschplätzen.
- Middleware: Filter (RSSI-Schwelle, Mindestzahl an Lesungen, Zeitfenster), Deduplizierung, Richtungslogik, Abgleich mit der Erwartung aus WMS oder ERP, Buchung als ein Ereignis je Ladungsträger.
- Tags: Etikett, Hard Tag oder On-Metal-Tag je nach Ware und Platzierung; Bauformen im Vergleich unter RFID Tags und Transponder, Sortiment unter UHF RFID Tags und RFID Etiketten.
Richtungserkennung: kommt die Palette oder geht sie?
Ein Gate, das nur zählt, ist ein Zähler. Erst die Richtung macht daraus einen Wareneingang oder Warenausgang. Vier Verfahren haben sich bewährt: die Antennenfolge (welche Antenne den Tag zuerst gesehen hat), zwei Lichtschranken vor und hinter der Zone, Radar für Personen und die Auswertung von Phase und Signalstärke über die Zeit, wie sie Overhead-Reader mit Beam Steering liefern. Kritisch sind die Sonderfälle: der Stapler, der in der Zone hält und zurücksetzt, die Palette, die halb durchgeschoben und zurückgezogen wird. Deshalb gehört die Richtungslogik in die Middleware, mit Zeitfenster und einer eindeutigen Regel, wann eine Bewegung abgeschlossen ist.
Streulesungen vermeiden
Die häufigste Enttäuschung im ersten Test: Das Gate liest die Palette im Regal fünf Meter weiter mit. UHF ist Weitbereich, und eine Antenne mit 30 dBm liest im freien Raum weiter, als jede Fahrspur breit ist. Die Lesezone wird deshalb bewusst eng gemacht: Sendeleistung je Antenne so weit senken, dass die Spur sicher gelesen wird und nicht mehr; Antennen nach unten in die Spur neigen; bei Durchgängen und Tunneln Absorber oder Metallwände einsetzen; Antennen mit schmalem Öffnungswinkel oder Nahfeldantennen wählen. In der Software helfen eine RSSI-Schwelle, eine Mindestzahl an Lesungen je Tag und der Abgleich mit der erwarteten Liste aus dem WMS: Was nicht angekündigt ist, wird gemeldet, aber nicht gebucht. Getaggte Ware, die dauerhaft neben dem Gate lagert, gehört hinter eine Abschirmung. In Europa stehen im oberen Band vier Kanäle mit 2 W ERP zur Verfügung (das Band 915 bis 921 MHz mit 4 W ERP ist in Deutschland nicht freigegeben); stehen mehrere Gates nebeneinander, teilen sie sich diese Kanäle und lesen zeitversetzt oder im Dense Reader Mode.
Erfassungsrate und Pulkgröße
Die Reader sind selten die Grenze: Ein Impinj R700 liest bis zu 1.100 Tags pro Sekunde, ein Chainway UR1A über 1.300. Die Grenze setzen die Zeit in der Zone und die Physik der Ware. Ein Stapler mit 2 m/s durchquert eine 3 m lange Zone in 1,5 Sekunden; in dieser Zeit muss jeder Tag mindestens einmal antworten. Flüssigkeiten dämpfen das Feld, Metall reflektiert und schattet ab, dicht gepackte Etiketten verstimmen sich gegenseitig. Auf Palettenebene ist die vollständige Erfassung Standard, auf Artikelebene in der Palette hängt sie von Ware, Tag und Platzierung ab. Zehn Durchfahrten mit einer bekannten Palette, gezählt gegen die Sollliste, zeigen, ob Sendeleistung, Antennenwinkel und Gen2-Parameter (Session, Q-Wert, Reader-Modus) passen. Was danach fehlt, löst man mit einer anderen Tag-Platzierung, einem anderen Tag oder einem Tunnel, nicht mit mehr Leistung.
Beispiele aus der Praxis
- Wareneingang und Warenausgang: Das Gate gleicht die gelesenen EPCs mit dem Lieferavis ab und bucht; Abweichungen erscheinen an der Ampel, bevor der Stapler weiterfährt.
- Wäscherei: Wäschesäcke und Container mit UHF-Textiltags wie dem Xerafy Tex Trak (über 200 Waschzyklen) werden am Durchgang gezählt: was zum Kunden geht, was zurückkommt, was fehlt.
- Werkzeugausgabe: Ein Durchgangsgate mit Ausweisleser bucht, wer welches Werkzeug mitnimmt und zurückbringt; Hard Tags wie der Xerafy Roswell überstehen den Werkstattalltag.
- Produktion und Kanban: Ladungsträger passieren Gates zwischen den Stationen, die Software führt den Bestand je Station mit; mehr unter RFID in der industriellen Automatisierung.
- Zufahrt und Zutritt: Windschutzscheiben-Tags an der Schranke, Ausweise am Drehkreuz; siehe Zutrittsmanagement mit RFID.
- Bibliothek und Archiv: Medien mit HF-Etiketten laufen seit Jahren durch Sicherungsgates; Archivkartons mit UHF-Etiketten lassen sich am Magazinausgang mit einem Durchgangsgate erfassen.
Was kostet ein RFID Gate?
Die Kosten hängen an sechs Posten: Reader-Klasse und Zahl der Ports, Zahl und Art der Antennen, Sensorik und Signalisierung, Mechanik und Montage, Integration in WMS oder ERP und die Tags, die bei Verbrauchsware den größten laufenden Posten bilden. Ein Deckenreader mit integrierten Antennen liegt deutlich unter einem Portal mit vier Antennen und Rammschutz; ein Tunnel mit Abschirmung und Fördertechnik ist die aufwendigste Bauform. Einen Anhaltspunkt für die Hardware gibt der CT GateSense mit Preis im IDCRAFT Shop. Für ein belastbares Angebot brauchen wir Spurbreite, Ware, Tag-Bestand und die gewünschte Anbindung; dann rechnen wir Gate für Gate.
Reader und Tags für RFID Gates im IDCRAFT Sortiment
- CT GateSense: Deckenreader mit integrierten Antennen, 33 dBm, 6 m, LED-Leiste, EAS-Alarm, optional Radar; Preis und Verfügbarkeit im IDCRAFT Shop.
- Zebra ATR7000: Overhead-Reader mit Beam Steering für Dock-Tore und Flächen, Richtungserkennung, PoE+.
- Impinj R700 / R720: Portale mit hoher Tag-Dichte, bis 1.100 Tags pro Sekunde, PoE+.
- Zebra FX9600: bis zu 8 Antennenports, PoE, für große Portale; im IDCRAFT Shop.
- Chainway UR4 (4 Ports) und Chainway UR8 (8 Ports): Impinj-E-Serie, 30 dBm, Ethernet und RS-232; UR4 und UR8 im Shop.
- Zebra FXR90 und CAEN Proton: IP67 und IP65 für Außenanlagen und Waschplätze.
- CT URIIA: integrierte 5-dBi-Antenne, bis 5 m, IP67, Modbus und optional Profinet, für einzelne Spuren und Kanban-Punkte; im IDCRAFT Shop.
- Tags: CT RFID Label für Kartons und Paletten, HID IQ On-Metal für Gitterboxen und Metallbehälter, Xerafy Tex Trak für Textilien; Übersicht unter UHF RFID Tags und RFID Etiketten.










